Es braucht zwei Arten von Schmerz für eine echte Veränderung.
Der erste Schmerz: Der, den es zu beheben gilt.
Im besten Fall ist das ein externer Schmerz. Wettbewerber eignen sich dafür ausgezeichnet. Indizien sind sinkende Umsätze, Marktanteile und Margen. Das erzieht eine Organisation.
Gibt es keine externe Referenz, braucht es eine interne.
Hier lauert aber eine Falle: Der Unternehmer sieht dunkle Wolken am Horizont. Oft Technologien oder gesellschaftliche Entwicklungen. Das Unternehmen ist aber noch erfolgreich. Die Zahlen stimmen. Das reicht meist nicht aus. Impulsvorträge, Warnungen, Appelle? Ich beobachte: Sie helfen oft nicht.
Menschen und Organisationen prokrastinieren, bis es ernst wird. Das ist ihre Natur.
Was hilft? Der Unternehmer könnte selbst zum Schmerz werden. Top-down. Mit Entscheidungen, die Konsequenzen haben. Aber nur ein Mensch kann diese interne Referenz sein. Kein Prozess oder Change-Management-Programm. Selten ein Team.
Der zweite Schmerz: der der Veränderung selbst.
Meine These: Wenn eine Organisation behauptet, sich ohne Konflikte, Eskalationen und Kündigungen transformiert zu haben, hat sie sich möglicherweise nicht wirklich verändert.
Die Natur sozialer Systeme ist das Streben nach Stabilität. Unabhängig davon, ob der aktuelle Zustand als gut oder schlecht bewertet wird. So wehren sich Organisationen und Menschen gegen jedwede Form der Veränderung. Und das kann durchaus ein gutes Zeichen sein.
Ich kenne Unternehmer mit besten Absichten, die Organisationen geschaffen haben, die alle Check-Boxen von New Work, Partizipation und Vergemeinschaftung erfüllen. Und trotzdem kündigten viele Menschen. War das ein Zeichen von Versagen? Oder ein Beweis, dass es funktioniert hat?
Vier Fragen, die ich Ihnen stelle:
- Gibt es echten Schmerz? Umsätze und Marktanteile brechen weg. Die Rendite sinkt. Falls nicht, kann es sein, dass eher Symptome verändert werden sollen.
- Spüren Sie ein unruhiges Gefühl, dass bald ein Sturm kommt? Dieses Gefühl lässt Sie nicht in Ruhe und raubt Ihnen den Schlaf? Dann warten und hoffen Sie nicht, dass andere das auch erkennen. Seien Sie der interne Schmerz.
- Sind Sie bereit, 10-20 Prozent Ihres Umsatzes in eine neue Wette zu investieren? Seien es neue Produkte, Dienstleistungen oder gar eine neue Organisation? Wenn nicht, haben Sie möglicherweise noch kein echtes Problem.
- Kündigen Menschen in der Transformation? Das muss nicht schlecht sein. Transformation braucht in erster Linie strukturelle Veränderungen und oft auch neue Menschen.
Der Preis echter Veränderung ist hoch. Der Preis von Transformationen ohne Schmerz ist höher.
