Sieben Felder zum Unternehmertum für die Zukunft
Und eine Unterscheidung, die den Unterschied macht.
23.01.2026
Es gibt zwei Arten, wie Menschen Organisationen prägen.
Die erste Art arbeitet im System. Sie optimiert Prozesse. Sie führt Teams. Sie trifft operative Entscheidungen. Sie sorgt dafür, dass das Unternehmen heute funktioniert.
Die zweite Art arbeitet am System. Sie gestaltet Strukturen. Sie irritiert Gewohnheiten. Sie bringt Neues ins Spiel. Sie sorgt dafür, dass das Unternehmen morgen noch funktioniert.
Die erste Art nennen wir Leadership.
Die zweite Art nennen wir Unternehmertum.
Beide sind wichtig. Beide braucht jede Organisation. Aber sie sind nicht dasselbe.
Und der Unterschied wird entscheidender.
Warum?
Weil sich etwas Grundlegendes ändert.
Die Welt wird dynamischer. Märkte verändern sich schneller. Was gestern funktioniert hat, funktioniert morgen vielleicht nicht mehr.
In stabilen Zeiten reicht gutes Management. Gute Leader optimieren das Bestehende. Das System läuft. Alle wissen, was zu tun ist.
Aber wenn sich der Kontext ändert – wenn neue Technologien kommen, wenn sich Kundenerwartungen verschieben, wenn Wettbewerber andere Spielregeln nutzen – dann reicht Optimierung nicht mehr.
Dann braucht es jemanden, der das System selbst verändert.
Und das ist die Aufgabe des Unternehmers.
Nicht die des Geschäftsführers. Nicht die der Führungskräfte. Die sollen im System führen. Aber am System arbeiten – das ist die Aufgabe des Unternehmers.
Die zwei zentralen Herausforderungen
Wer als Unternehmer wirksam bleiben will, steht vor zwei Herausforderungen:
Herausforderung 1: Fokussierung auf das eigene Talent
Die Zeit des Unternehmers ist die knappste Ressource. Die Frage ist nicht: “Was muss alles getan werden?” Die Frage ist: “Wo liegt der größte Hebel?”
Wo ist der Unternehmer unersetzbar? Wo bewirkt seine Arbeit etwas, das sonst niemand bewirken kann?
Das ist nicht operative Zuständigkeit. Das ist Talent. Die Zone of Genius.
Herausforderung 2: Erweiterung des Denkraums
Die Zukunft ist komplexer als die Vergangenheit. Was bisher gedacht wurde, reicht nicht mehr.
Es braucht neue Denkwerkzeuge. Neue Perspektiven. Neue Prinzipien.
Wie funktionieren Menschen in Systemen? Wie entsteht Innovation? Wie werden Entscheidungen unter Ungewissheit getroffen?
Das sind keine Fragen für Leader. Das sind Fragen für Unternehmer.
Sieben Felder, die Unternehmertum von morgen ausmachen
Nach Jahren meiner Arbeit mit Untermern kristallisieren sich sieben Felder heraus. Sieben Felder, die bestimmen, ob ein Unternehmer wirksam bleibt. Oder ob er in operativer Betriebsamkeit verschwindet.
1. Zone of Genius – Wo liegt der größte Hebel?
Die meisten Unternehmer haben durch operative Arbeit ihr Gefühl für ihre Zone of Genius verloren. Sie machen viel. Sie sind überall dabei. Aber die zentrale Frage bleibt unbeantwortet.
Was fällt leicht? Wo vergeht die Zeit wie im Flug? Wo entsteht Wirkung ohne Anstrengung?
Jeder Unternehmer hat eine Zone of Genius. Einen Bereich, wo seine Arbeit unverhältnismäßig viel bewirkt.
Bei mir ist das immer das persönliche Gespräch mit dem Unternehmer. Dort bin ich am wirksamsten.
Die Frage ist: Ist diese Zone bekannt? Und wenn ja: Wird die Zeit dort verbracht?
2. Mission & Strategie – Wer kann gut Strategie?
Mission und Strategie sind beides riskante Wetten auf die Zukunft. Die sollte der treffen, der auch langfristig die Konsequenzen aushalten muss – positiv wie negativ.
Daher kann Mission und Strategie nicht vergemeinschaftet werden. Es hat mit Intuition zu tun.
Die Frage ist nicht: “Wie machen wir eine gute Strategie?”
Die Frage ist: “Wer kann gut Strategie?”
Das ist die Aufgabe des Unternehmers. Nicht die des Teams. Nicht die der Führungskräfte.
Der Unternehmer arbeitet nicht an der Umsetzung der Strategie. Er arbeitet an der Strategie selbst.
3. Arbeit am System – Wer entscheidet, wie entschieden wird?
Die zentrale Frage der Arbeit am System lautet: Wer entscheidet, wie entschieden wird?
Organisationen bestehen aus Entscheidungen. Wo werden sie getroffen? Wie werden sie getroffen? Von wem werden sie getroffen?
Werte und Prinzipien müssen sich in strukturellen Rahmen ausdrücken. Nicht in Leitbildern. Nicht in Workshops. Sondern in der Art, wie Entscheidungen getroffen werden.
Wenn diese Frage nicht gestellt wird, optimiert das Unternehmen das Falsche. Schneller. Effizienter. Aber in die falsche Richtung.
4. Marktgefühl – Wie wird erkannt, was kommt?
Unternehmer haben ein Gespür für den Markt. Sie riechen Veränderungen. Sie sehen Trends, bevor sie offensichtlich werden.
Aber dieses Gespür entsteht nicht von selbst. Es entsteht durch Kontakt. Durch Gespräche. Durch Beobachtung.
Werden Gespräche mit Kunden geführt? Wird der Wettbewerb beobachtet? Werden Menschen außerhalb der eigenen Branche getroffen?
Leader optimieren das Bestehende. Unternehmer erkennen das Kommende.
Und wenn das Marktgefühl nicht gepflegt wird, wird der Moment verpasst, wo sich alles ändert. Der Unternehmer muss raus.
5. Talente – Wer macht den Unterschied?
Es geht nicht nur darum, wer im System gut führt.
Es geht darum: Wer sind die internen und externen Könner, die den Unterschied in der Wertschöpfung machen?
Diese sind zu begeistern. Mit herausfordernden Problemen zu ködern. Die Organisation muss zu einem Teil um sie herum gebaut werden.
Leader managen Performance. Unternehmer entdecken Talente. Sie haben ein Talent Talente zu erkennen.
Und wenn keine Talente entwickelt werden, bleibt das Unternehmen vom Unternehmer abhängig. Egal wie groß es wird.
6. Vertrieb & Netzwerk – Wie bewegt sich der Unternehmer außen?
Unternehmer sind nicht nur nach innen gewandt. Sie sind auch außen aktiv.
Sie pflegen Beziehungen. Sie bauen Netzwerke. Sie verkaufen – nicht nur Produkte, sondern Ideen, Visionen, Kooperationen. Götz Werner von dm sagte mal: Die wichtigste Aufgabe eines Unternehmers ist es zu begeistern.
Ist Sichtbarkeit da? Kennen die richtigen Menschen das Unternehmen? Wissen potenzielle Partner, dass es existiert?
Das ist kein Marketing. Das ist persönliche Präsenz.
Und wenn diese nicht gepflegt wird, bleiben Chancen ungenutzt.
7. Persönlichkeit – Wie bleibt der Unternehmer stabil?
Am Ende kehren wir zurück zum Unternehmer.
Das Problem: Wir wissen nicht, was wir nicht wissen.
Die Herausforderung ist, sich von Erfolg möglichst wenig korrumpieren zu lassen. Das gelingt durch Neugier und Schmerz.
Hier helfen gute Berater und Sparringspartner – in der Organisation und auch von außerhalb ohne eigene Agenda. Die helfen, klar zu denken. Die Muster aufzeigen, die selbst nicht gesehen werden.
Aber auch geistige und körperliche Gesundheit spielt eine Rolle.
Denn wenn der Unternehmer sich nicht stabil hält, wird alles andere wackeln.
Eine Klammer
Wenn die sieben Felder betrachtet werden, zeigt sich eine Struktur:
Es beginnt mit dem Unternehmer. Mit seiner Zone of Genius. Mit seinem Talent.
Dann geht es nach außen. In das Unternehmen. In den Markt. In die Organisation.
Und am Ende kehrt es zurück zum Unternehmer. Zu seiner Persönlichkeit. Zu seiner Stabilität.
Unternehmertum beginnt und endet immer beim Unternehmer.
Eine Frage
Das sind die sieben Felder, die ich sehe. Die Themen, die in meinen Gesprächen mit Unternehmern immer wieder auftauchen.
Aber ich will nicht behaupten, dass das die einzig richtige Sicht ist.
Deswegen meine Frage an Unternehmer, GFs und Vorstände:
Was habe ich übersehen?
Ich plane eine deep-dive-Podcast Staffel zu diesen 7 Feldern. Daher freue ich mich über kritische Rückmeldung. Gerne als Kommentar oder direkt an mb@marcelbernard.de
Danke.
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